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Aktuelles

Macht – Ohnmacht

Ein Neugeborenes kann nicht reden, rational agieren, reflektieren oder bewerten – in seiner absoluten Hilflosigkeit kann es nur schreien, um sich bemerkbar zu machen. Es schreit, jedes mal wenn es Hunger hat, ihm irgendetwas nicht gefällt oder es den Wunsch nach Zuwendung hat. Je nachdem, ob es seine Bedürfnisse erfüllt bekommt, lernt das Kind Selbstwirksamkeit ­– die Macht, seine Bedürfnisse und Ziele durchzusetzen. Oder es lernt ohne Macht – ohnmächtig – zu sein, wenn es immer wieder die Erfahrung macht: Ich kann mir die Lunge aus dem Hals schreien, aber ich bekomme keine Reaktion. Schreien ist für das Baby sein einziges zur Verfügung stehendes Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Da ein Baby aber noch in einem Zustand kompletter Unbewusstheit ist, gerade hier auf der Welt angekommen ist, mangels Erfahrungen noch nicht vergleichen und aus dem Vergleich Rückschlüsse ziehen kann, muss es zwangsläufig davon ausgehen: Das, was ich erlebe, IST so  – ist DIE Wahrheit. Wenn sich das Erlebte als DIE Wahrheit unbewusst bei ihm einprägt, muss es sich diese unbewusste Prägung später immer wieder bestätigen, um sich selbst nicht ins Unrecht zu setzen. Das ist es, was für viele so schwer zu verstehen ist: `wieso, ich wollte doch ganz […]

Demut

Demut – ein rätselhafter Begriff. Versteht man ihn im kirchlichen Sinne, beschreibt es den Status eines Knechtes gegenüber seinem Herrn. Er charakterisiert ein Gefälleverhältnis eines Oben und Unten. Es ist genau das, was die Kirche uns seit 2000 Jahren erfolgreich einzureden versucht: Gehorcht dem, was Mutter Kirche Euch sagt! IHR seid die Diener, WIR sind die Herren. Mein Verständnis von Demut ist ein anderes. Die Vorsaal Silbe „de“ bezeichnet immer die Negation eines Wortes: Eskalation vs. De-eskalation, moralisieren vs. de-moralisieren; Kompression vs. Dekompression usw.. Wozu braucht man Mut? Um sich zu stellen, um sich aus der Deckung heraus zu wagen und um notfalls für seine Überzeugungen und Standpunkte zu kämpfen. Unter diesem Aspekt formuliert sich im Mut „die Bereitschaft zum Kampf“. Die Überwindung von Angst Jeder kennt das aus seinem Alltag: Man hat Angst, den ersten Bungeejumping zu machen, man hat Angst mit dem Chef über die Gehaltserhöhung zu reden, man hat Angst sich in der fremden Stadt zurechtzufinden, man hat Angst den eigenen Fehler zuzugeben – man hat vor ALLEM Angst. Was es braucht, die eigene Angst zu überwinden, ist eben der MUT, den Schritt über die eigenen Ängste, Vorbehalte und inneren Widerstände zu wagen.  „Du bist aber mutig!“ […]

Werdet wie die Kinder

„Bin ich nicht ein Narr, dass ich mich schrecken ließ? – Es gibt ja schwarze Vogel in der Welt, warum denn nicht auch schwarze Menschen?“ Diese einfache wie 100prozentig plausible Erklärung gibt sich Papageno in Mozarts Zauberflöte als er in Monostatos zum ersten Mal in seinem Leben einem schwarzen Menschen gegenüber steht. Er bewertet nicht, wie auch noch kein Kind bewertet. Kinder stellen fest, dass ein Gegenüber anders ist, unterteilen jedoch noch nicht in Gut und Schlecht oder höherwertig und minderwertig. Beobachtet man Kinder im Sandkasten, gehen sie ohne jedes Vorurteil miteinander um – egal ob das andere Kind schwarz oder weiß, rothaarig oder behindert ist. Natürlich vs. normal Kinder sind völlig unvoreingenommen. Wie sollten sie auch voreingenommen sein? Gerade auf der Welt angekommen, haben sie ja noch keinerlei Erfahrungen oder Vergleiche. Sie nehmen das, was sie hier entdecken als natürlich gegeben an. Die Bewertung allerdings übernehmen sie von den Eltern und da sie deren Bewertungen ebenfalls noch nicht reflektieren können, übernehmen sie diese als „Normalität“ – als das, was den Normen der Eltern entspricht. „Natürlich gegeben“ wird in diesem Schritt umgewandelt zu „einer Norm entsprechend“. Wer das kleine, unendlich empfindliche, blaugeäderte Köpfchen eines Neugeborenen betrachtet, kann unmöglich davon ausgehen, […]

Vertrauen

Im Märchen erwählt der Prinz seine Prinzessin. Aber um gemeinsam glücklich und zufrieden bis ans Ende aller Tage zu leben, müssen erst mal Prüfungen bestanden werden. Wunderbar anschaulich formuliert sind diese Prüfungen z. B. im „Froschkönig“. Das Märchen wurde unzählige Male von unzähligen Geistesgrößen gedeutet – von C. G. Jung bis zum bei der katholischen Kirche in Ungnade gefallenen Theologen, Psychotherapeuten und Märchenexperten Eugen Drewermann. Ein Aspekt jedoch scheint mir nicht ausreichend gewürdigt. Der Froschkönig Für alle, die die Geschichte nicht mehr ganz präsent haben, hier nochmal kurz der Inhalt: Einer Prinzessin fällt ihre goldene Kugel beim Spiel in den Brunnen, und ein Frosch bietet an, ihr zu helfen. Sie muss ihm dafür versprechen, seine Freundin zu werden und Teller und Bett mit ihm zu teilen. Als sie die Kugel zurück hat, geht sie nach Hause und vergisst den armen Frosch in seinem Brunnen. Doch der Frosch kommt an die Tür des Königsschlosses und auf Drängen ihres Vaters bekennt sie sich widerwillig zu ihrem Versprechen. Sie muss ihren Tisch mit dem Frosch teilen. Als jedoch der Frosch fordert, dass sie ihn mit in ihr Bett nehmen solle, ist ihre Abscheu so groß, dass sie den schleimigen und hässlichen Frosch an […]

Corona – Eine Kinder-Krankheit

Die Tochter kommt weinend zu ihrem Vater gelaufen und hält ihm ihre zerbrochene Puppe hin. „Ach, was ist denn da passiert?“, fragt der Vater. „Der Weg war uneben und da bin ich gestolpert.“ Der Vater tröstet die Tochter und macht die Puppe wieder heile. „Pass morgen einfach besser auf sie auf“. „Ja, ja, Vater“, antwortet die Tochter, doch am nächsten Tag kommt sie wieder mit der abermals zerbrochenen Puppe gelaufen. „Was ist denn heute passiert?“, fragt der Vater wieder. „Ich habe sie fallen lassen und dann ist jemand drauf getreten.“ Wieder tröstet der Vater die Tochter und macht die Puppe wieder heile. „Pass morgen aber wirklich besser auf sie auf!“ „Ja, ja, Vater“, antwortet die Tochter, doch am nächsten Tag ist die Puppe schon wieder kaputt. Weinend hält sie sie dem Vater hin. „Und? Was ist heute passiert?“ „Ich habe sie schlafen gelegt und als ich wieder kam, waren sie entzwei“. Der Vater runzelt die Stirn: „Einmal mache ich sie Dir jetzt noch heil“. „Ja, ja, Vater“, sagt die Tochter, „Ab morgen pass ich auch ganz sicher drauf auf!“ Natürlich kommt sie auch am vierten Tag weinend mit ihrer zerbrochenen Puppe zum Vater gelaufen. Der schaut sie gütig an: „Dreimal […]

COVID-19 ist kein medizinisches- sondern ein Verantwortungsproblem

Der Löwe ist los! Rette sich wer kann. alle rennen in ihrer Angst vor dem Tier panisch weg. Dabei ist der Löwe nicht das Problem. Er ist, wie der Mensch, auch nur Teil der Natur. Genau wie der Mensch möchte auch er nur leben. Das, was ihn gefährlichen macht, ist die Sorglosigkeit, Nachlässigkeit und Gedankenlosigkeit des Menschen, keine Vorkehrungen zur eigenen Sicherheit getroffen zu haben – zum Beispiel die gewissenhafte Verriegelung des Käfigs. In diesem Moment wird der Löwe gefährlich und unberechenbar.

Das Ende der Schuld

Das Ende der Schuld Was, wenn es keine Schuld gäbe, wenn es nie Schuld gegeben hätte und es auch in Zukunft niemals Schuld geben würde. Was, wenn man eigenes Nichthandeln, eigene Unzulänglichkeit, eigene Fehler oder eigenes Unglück auf niemanden mehr abwälzen könnte und durch nichts und niemand ent-SCHULD-igen könnte, weil SCHULD nicht existiert, nie existiert hat und nie existieren wird? Was müsste jeder einzelne Mensch in einer Welt ohne Schuld übernehmen?