Der Ur-Mensch in der Savanne richtete sich auf, weil er damit einen Vorteil gegenüber den Tieren hatte. Tiere sind entstanden, weil es vorher die kambrische Explosion gab. Die kambrische Explosion gab es, weil vorher der Sauerstoffgehalt in den Meeren angestiegen ist. Der Sauerstoffgehalt der Meere stieg an, weil es vorher tektonische Veränderungen gab. Evolution lässt sich entlang Kausalketten logisch zurückverfolgen: DAS war, weil es vorher dieses und jenes gab. So geht es zeitlich zurück bis zum Urknall. Doch hier findet dieses Kausalkonzept sein jähes Ende. Ausgerechnet hier bricht die Wissenschaft, die behauptet alles logisch erklären zu können, mit ihrer eigenen Logik.  

Kausalität endet beim Urknall

Denn die Frage, was den Urknall ausgelöst hat, wird wissenschaftlich niemals zu beantworten sein. Kirchenlehrer Augustinus war sich dessen bereits im 4. Jahrhundert bewusst und stellte die Gegenfrage: „Was tat Gott, bevor er Himmel und Erde schuf? Er machte die Hölle für diejenigen, die solche Fragen stellen.“ Stark vereinfacht zog viele Jahrhunderte später der dänische Physiknobelpreisträger Nils Bohr im Rahmen seiner Kopenhagener Interpretation der Quantentheorie den Schluss, dass es gar keine OBJEKTIVE Realität gibt. Dies führt zu einem Prinzip namens Superposition, die behauptet, dass wir zwar nicht wissen, was der Zustand eines Objekts ist, dass es sich aber tatsächlich in allen möglichen Zuständen gleichzeitig befindet, solange wir es nicht nachprüfen. Licht weist gleichzeitig Wellen- und Teilcheneigenschaften auf. So gesehen hebt Licht die Polaritäten – Teilchen oder Welle – auf, und zeigt mangels der Möglichkeit einer eindeutigen Aussage die Grenzen der Wissenschaft als Erklärungsmodell auf. Um die Frage noch beantworten zu können, muss sie ab diesem Punkt die wissenschaftliche Beweisbarkeit verlassen und ist gezwungen sich in den Bereich des rein Spekulativen vorwagen.

Licht repräsentiert Einheit

Licht ist beides – ist Welle und ist Teilchen. Licht symbolisiert an dieser Stelle das Ende der Polarität, die Einteilung in das eine und das andere, in Welle und Teilchen, in oben und unten, in Mann und Frau usw.. Licht an dieser Stelle steht für die Einheit, in der die Gegensätze noch nicht unterschieden sind – Licht zeigt sich in seinen unterschiedlichen Zuständen: als Welle und als Teilchen. Erinnert sei noch mal an Bohr, der sagte, ein Objekt befindet sich solange gleichzeitig in allen möglichen Zuständen, bis der Mensch es nachprüft. Oder anders formuliert: Einheit kann sich erst durch menschliche Erkenntnis in ihre Polaritäten aufspalten. Das Synonym für Einheit heißt im christlichen Kontext „Gott“, im jüdischen Zusammenhang „Jahwe“ oder in islamischen Glauben „Allah“. Somit steht sich hier gegenüber: Einheit = Gott vs. Polarität = Mensch in seiner Erkenntnisfähigkeit.

Gott wird Mensch

Alle Schöpfungsmythen beschäftigen sich mit der Frage: Wie wurde aus Einheit Polarität oder anders ausgedrückt: Wie wurde aus Gott Mensch. Der christliche Schöpfungsmythos kleidet diese Transformation in die Geschichte von Adam und Eva. Da Einheit für den in der Polarität gefangenen Menschen jedoch nicht vorstellbar ist, wurde dieser Übergang in allen Schöpfungsmythen in Bilder verpackt, die das Unvorstellbare vorstellbar machen sollten – wie man auch die Geschichte von Adam und Eva als höchst symbolisches Bild deuten muss, um an seine Be-deutung zu gelangen. Was die Kirchen aus dieser herrlichen Geschichte gemacht haben, ist für den denkenden Menschen im besten Fall einfach nur dumm – im anderen Fall jedoch bewusst fehlinterpretiert, um den Menschen klein zu halten und sich Macht über ihn zu sichern. Insofern, als die Kirchen mit dem Biss in den Apfel die Erbsünde etabliert haben – den schuldigen Menschen, dessen Schuld darin bestand, sich gegen Gott aufgelehnt zu haben, den bösen Menschen, der aufgrund dieser Tatsache bis in alle Ewigkeit schuldig bleibt. Die rein logische Frage, warum Gott das hätte tun sollen, nachdem er den Menschen explizit nach seinem Ebenbild geschaffen hat, bleibt seit tausenden von Jahren unbeantwortet. Oder anders ausgedrückt: warum erschafft Gott den, den er nach seinem eigenen Ebenbild erschaffen hat, als schuldigen Menschen? Was hätte er davon?  

Der „Urspiegel“ Wenn Adam und Eva seit tausenden von Jahren meiner Ansicht nach fehlinterpretiert wurde, vielleicht ist mein Bild einfacher zu fassen. Weiter oben wurde ja schon darauf hingewiesen, dass Licht als Symbol für die Vereinigung der Polaritäten (Welle vs. Teilchen) stehen mag. Jetzt stellen wir uns einen unendlich großen Spiegel inmitten von gleißendem Licht vor. Es ist die ewige, unbewegte Einheit, die wir uns so vorstellen: unendlich hell, unendlich erhaben, ohne Anfang und ohne Ende. Der unendlich große Spiegel kann seine herrlichste Eigenschaft – sich selbst oder etwas anderes zu spiegeln – gar nicht erfahren, weil es nichts gibt, was sich in ihm spiegeln kann. An jedem Ort in der Einheit gibt es nur die gleiche Intensität an Licht – kein Heller, kein Dunkler, keinen Schatten – ein leerer Raum in vollkommen homogenem Licht. Wobei es in Wahrheit ja auch noch keinen Raum gibt. Denn gäbe es einen Vorder- und einen Hintergrund, dann wäre das in der Unterschiedlichkeit ja bereits etwas spiegelfähiges. Es gibt auch noch keine Zeit – kein davor und danach – sondern Alles-was-ist fällt in einem unendlich kleinen, nicht zu definierenden Punkt zusammen. Die herrlichste Eigenschaft, die Fähigkeit zu spiegeln, ist somit zwar potenziell vorhanden, schlummert aber in einem unendlich kleinen, nicht zu definierenden Punkt vor sich hin.

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