Paarkonflikte

Konflikt kommt vom lateinischen confligere, zusammentreffen, kämpfen. Treffen zwei Menschen zusammen, entsteht schon im Wortsinn – zwingend – ein Konflikt. Das Thema ist, dass die beiden, die zusammentreffen, irgendwann anfangen zu kämpfen – nämlich darum, wer Recht hat. Meinungen können ohne weiteres aufeinandertreffen – im besten Fall finden deren Vertreter kreativ eine neue, von beiden getragene Meinung oder mindesten einen Kompromiss. Wenn sich die beiden auf der Sachebene partout nicht einigen können, trennt man sich im schlechtesten Fall eben. Manchmal schmerzhaft, aber nicht tragisch.

Was Menschen in Paarbeziehungen allerdings tun, ist, dass sie die eigene Meinung zur allgemeinen Wahrheit erheben, sodass es dann nicht mehr um persönliche Sichtweisen geht, sondern sich zwei absolute Wahrheiten gegenüber stehen. Jetzt wird erbittert darum gestritten, welche von beiden absoluter und wer im „wahren“ Recht ist. Dass das mit absoluten Wahrheiten so eine Sache ist, wissen wir spätestens seit Galilei, der die geltende These von der Erde als Scheibe widerlegt hat. Oder ganz aktuell die nach wie vor strikt vertretene Wahrheit der Politik, nur bei wirtschaftlichem Wachstum gehe es allen gut. Allerdings kollidiert dieser kindliche Glaube an endloses Wachstum gerade dramatisch mit der Realität eines Planeten mit klaren Grenzen.

Wenn lediglich zwei Meinungen aufeinandertreffen, ist Konflikt an sich also nichts negatives sondern ganz normal. Wenn Meinungen jedoch zu absoluten Wahrheiten erhoben werden – im Sinne von „NIE mach ich…“ oder „IMMER bist Du …“ – und daraus Kampf um die sozusagen absolute Absolutwahrheit entsteht, ist Eskalation vorprogrammiert.

Im Grunde genommen geht es in den Streits zwischen Paaren immer um Banalitäten wie um Fragen, wie der Geschirrspüler richtig eingeräumt wird, wie die Zahnpasta ausgedrückt werden sollte oder ob das Kind für draußen eine Mütze aufzusetzen habe usw.. Wenn es aber nur Kleinigkeiten geht, warum wird daraus regelmäßig immer ein erbitterter Kampf mit Geschrei und Tränen?

Eine Spur zu des Rätsels Lösung führt zu unausgesprochenen Satzenden. Eine Bitte kann zuvorkommend und höflich formuliert sein, es ist der Ton, die Stimmlage, vielleicht die Frequenz, bei der der andere hört wie der Satz nach einem imaginären Komma weitergeht. „Würdest jetzt Du bitte die Kinder abholen?“ … (Komma, Du Versager, oder kriegst Du selbst das heute schon wieder nicht hin?) „Ich geh jetzt noch eine Stunde ins Arbeitszimmer,“ … (Komma, Du Nervensäge, denn da ist ja der einzige Ort, wo ich noch Ruhe vor Dir habe).

Hinter banalen Fragen oder Aussagen verbergen sich – unausgesprochen – bestimmte Meinungen, Bewertungen, Urteile oder Sichtweisen auf „Mann“, „Frau“, „Beziehung“, „Leben“, „Glück“ etc. etc.. Ganz viele entgegnen darauf: „Aber ich denke gar nicht schlecht über Männer, ich habe ein tolles Verhältnis zu meinen Kollegen – und das sind alles Männer“. Vollkommen richtig. Aber wenn ich dann frage: „Wenn Sie eine durchweg positive Meinung über „Mann“ haben, warum sind dann alle ihre Beziehungen gescheitert?“, kommt immer die Antwort: „Weil ich mir ganz offensichtlich immer die falschen Männer ausgesucht habe.“

Möglich, dass alles nur Zufall ist. Nur dann wäre der Zufall als unkalkulierbare Größe im Raum und der Erfolg einer Sitzung abhängig von ihm. Ob´s funktioniert oder nicht, darüber würde dann der Zufall entscheiden.

Ein anderer Weg wäre, den Zufall vor der Tür zu lassen und Rückschlüsse einzig und allein auf Basis den realen Ergebnisse im Leben zu ziehen. Die einzige Frage, die zu beantworten ist: Fühle ich mich in der aktuellen Situation – in meiner persönlichen Realität – wohl oder nicht? Wenn letzteres, dann geht es darum, die Situation schnellstmöglich zu verändern. Bei diesem Ziel ist es aber extrem ungünstig, wenn der „Zufall“ über dessen Erreichung entscheiden würde. 100 Meter Läufer werden auch nicht Olympiasieger, wenn sie, statt zu trainieren, nur auf den Zufall bauen. Realität ist keine Folge von bloßen Zufällen, sondern einzig und allein das Produkt von gedanklichen Konstruktionen.

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