Grundbedürfnisse

In seinen berühmten Experiment wies Harry Harlow 1957 anhand von Rhesusaffen nach, wie wichtig soziale Bindungen für die emotionale Entwicklung beim Menschen sind. Dazu isolierte er neugeborene Rhesus-​Äffchen von ihren leiblichen Müttern und ersetzte sie durch zwei leblose Attrappen: die eine aus Draht, die dank einer Vorrichtung in der Lage war Milch zu spenden und die Jungen zu ernähren; die andere ohne diese Fähigkeit, aber mit einem erwärmten Stoffkörper aus Fell ausgestattet. Das Ergebnis: Zwar tranken die Äffchen bei Bedarf kurz an der Brust der „Drahtmutter“, suchten ansonsten aber die Nähe der „Fellmutter“.

Harlow lieferte mit seinen Experimenten den Beweis dafür, dass neben den Grundbedürfnissen essen, schlafen und trinken auch die Bedürfnisse nach Hautkontakt, Zuwendung und Zärtlichkeit für eine gedeihliche Entwicklung notwendig sind. Ihr Entzug führt zu Hospitalismus, bzw. zu dessen stärkster Ausprägung, dem Kaspar-Haus-Syndrom, schwerste, irreparable physische und psychische Schädigungen. Schauriger Beweis dafür waren die Kinder, die nach dem Fall Ceaucescus aus rumänischen Waisenheimen befreit wurden.

Kinder bis zum Alter von ca. sechs leben noch in vollkommener Abhängigkeit von einem „Außen“, in der Regel von den Eltern. Wird in dieser Zeit das frühkindliche Bedürfnis nach Kontakt, Zuwendung und Anerkennung nicht erfüllt, bezieht das Kind dies unbewusst auf sich und bildet Rückschlüsse, z. B: ICH bin nichts wert, ICH bin nicht liebenswert, ICH bin nicht genug, ICH bin ohnmächtig usw. Diese Rückschlüsse werden als innerste Überzeugungen im hintersten Winkel der Psyche abgelegt.

Ich spreche auch vom Lebensrucksack, den sich das Kind schnürt und mit dem es sich dann auf seinen Lebensweg aufmacht. Bedauerlicherweise ist ihm auf diesem Weg gar nicht bewusst, was es vor langer Zeit mal in seinen Rucksack hineingeworfen hat. Nur bemerkt es früher oder später, dass sein Weg zunehmend beschwerlicher wird. Sei es, weil physische Krankheit sich einstellt, sei es weil Partnerschaften immer wieder nach demselben Muster zerbrechen, sei es in Form von Mobbing, in der Erfahrung von Verlust oder Depression. Die Ursache liegt SCHEINBAR immer im Außen – am Partner, an den Kollegen, an den Politikern, an der Gesellschaft usw.

In Wahrheit liegen die Ursachen für einen bestimmten Lebensweg immer in uns selbst. Das Ziel von Therapie ist es, herauszufinden, welchen innersten Überzeugungen die Grundbedürfnisse nach Wertschätzung, Nähe, Zuwendung, Anerkennung etc. überlagern und sie aufzulösen.

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