Die Metaebene

Die Schubladen im Schrank namens Unterbewusstsein

„Die Macht des Unbewussten ist gewaltig“, sagt der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Dr. Roth. von der Universität Bremen. Er geht davon aus, dass nur 0,1 Prozent dessen, was im Gehirn vor sich geht, bewusst wird. 99 Prozent der Abläufe verarbeitet das Gehirn unbewusst – mit gutem Grund.

99 Prozent unserer Entscheidungen steuert das Unterbewusstsein

Täglich trifft der Mensch bis zu 100.000 Entscheidungen. Um diese Menge überhaupt bewältigen zu können, arbeitet es höchst energiesparend, denn für jede neue Entscheidung muss das Gehirn neue Netzwerke anlegen, Botenstoffe und Signalkaskaden in Sekundenbruchteilen hochfahren und die Energie dafür durch die Drosselung anderer Körperfunktionen bereitstellen. Der Energieaufwand dafür ist enorm, deshalb kann das Gehirn nur die allerwichtigsten Entscheidungen bewusst treffen. Laut Messungen fließen 80 Prozent der Energie im Gehirn dem Bewusstsein zu. So gesehen ist Bewusstsein Luxus weswegen das Gehirn so oft es kann auf Autopilot umschaltet. Gemäß der Devise „bloß nicht nachdenken“, funktioniert es dank seiner schnell, energiesparend und exakt. Nur so behält es Kapazität für neue Herausforderungen oder seine Reaktionsfähigkeit in unvorhergesehenen, möglicherweise gefahrvollen Situationen. So bleiben gerade mal noch 20 Prozent Energiekapazität für den gewaltigen Rest an Entscheidungen. Da die folglich nicht bewusst verarbeitet werden können, speichert das Gehirn Bekanntes in Mustern ab und räumt es in die Schubladen eines riesigen Schranks namens „Unterbewusstsein“ ein.

Abgespeicherte Muster

Nehmen wir an, in diesem Schrank liegt in einer Schublade der Zettel, dass wir an einer bestimmten Weggabelung mal rechts gegangen sind. Jetzt kommen wir zwanzig Jahre später wieder an dieselbe Weggabelung. Da, wo wir früher rechts abgebogen sind, führt der Weg aber inzwischen durch Neubebauung ans Ende einer Sackgasse. Obwohl wir das Sackgassenschild sehen und wir logischerweise links gehen müssten, schauen wir auf unseren zwanzig Jahre alten Zettel und gehen stur nach rechts.

Unbewusste Beziehungsmodelle

Am aufnahmefähigsten ist unser Gehirn in den prägenden Jahren zwischen null und sechs Jahren. Da wir ja eben erst auf die Welt gekommen sind, wollen wir verstehen und begreifen wie eben diese Welt funktioniert, wer wir selber, wie Mann, wie Frau ist, worin Glück besteht, wie Konflikte gelöst werden usw. usw.. In dieser Zeit prasseln Millionen von Sinneseindrücken auf uns ein und da unser Gehirn noch längst nicht seine volle Leistungsfähigkeit erreicht hat, kann es die Wahrnehmungen in der Masse erst recht noch gar nicht bewusst verarbeiten sondern macht sich flüchtig Millionen von Notizen und räumt sie in Millionen von Schubladen in den Schrank namens „Unterbewusstsein“. So liegen in der Schublade „Beziehung“ Notizen über die Beziehung der Eltern. In der Schublade „Mann“ Beobachtungen über die Aggressionen des Vaters und in der Schublade „Frau“ die Notizen über das Konfliktverhalten der Mutter. Schublade auf, Schublade zu. Und da sind sie dann verwahrt. Und fortan glauben wir, dass diese Notizen, die im frühkindlichen Alter aus der Beobachtung, vornehmlich der Eltern, entstanden tatsächlich „Die Wahrheit“ sind. Und weil wir sie für „wahr“ halten, tun wir natürlich alles, um ihnen recht zu geben und sie immer wieder zu bestätigen.

zurück zum Paartherepie-Glossar