Beziehungscoaching

Immer wiederkehrende Konflikte, Eskalationen, Drohungen, Trennung – dasselbe Muster in der aktuellen wie in früheren Beziehungen. Ist das Zufall? Kann sein. Man gerät wider Willen immer wieder blöde Situationen, an Menschen, die einem nicht gut tun, an Partner, die plötzlich eine ganz andere Seite zeigen etc.. Zufall ist EIN Erklärungsmodell. Ein anderes wäre, dass man selbst eine Absicht hat, in bestimmte Situationen oder an bestimmte Menschen zu kommen. Diese Absicht ist bedauerlicherweise immer unbewusst. Es gibt zwei Unterschiede zwischen den beiden Erklärungsmodellen. Der eine liegt im Aufwand – es ist wesentlich bequemer und geht wesentlich schneller, kurzerhand alles auf die anderen, auf die Umstände, auf den Chef usw. zu schieben, als sich eine unbewusste Absicht bewusst zu machen. Das erfordert eine intensivere und auch mühevollere Auseinandersetzung mit sich selbst. Der zweite – und entscheidende – Unterschied liegt darin, dass man sich in der ersten Variante selbst zum passiven Opfer (der Umstände, der anderen oder des Chefs) macht, während man in der zweiten Variante Verantwortung für das Geschehene übernimmt und damit eine handelnde Rolle. Aber nur aus eben dieser Rolle kann man die Situation auch in einer für einen selbst positiven Art und Weise ändern. Veränderung ist somit die Folge der Übernahme von Selbstverantwortung. Beziehungscoaching in meinem Verständnis besteht in der Aufgabe den Beteiligten einen Weg zu eröffnen, wie sie die Bedingungen ihrer Beziehung verändern können.

Die Übernahme von Selbstverantwortung beendet den Kampf

WENN beide den Willen zur Veränderung haben, ist das durchaus in kurzer Zeit möglich. Meistens haben beide natürlich den Willen zur Veränderung – aber natürlich sehen beide die Notwendigkeit für Veränderung ausschließlich beim jeweils anderen. „Wenn mein Mann nur an sich arbeiten würde, dann hätten wir wieder eine Chance“. „Wenn meine Frau einfach wieder etwas sachlicher würde, dann könnten wir Konflikte in kurzer Zeit lösen“. Die gegenseitigen Vorwürfe schaukeln sich auf – Unverständnis, Wut und Frust auf beiden Seiten sind die Folge. Die Erwartungen des einen wurden vom anderen schon lange nicht mehr erfüllt – so lange, dass man immer weniger bereit ist auf den anderen zuzugehen. Trotzdem kämpfen beide Seiten immer erbitterter darum, dass der andere doch endlich einsähe, dass man selbst im Recht und der andere im Unrecht ist – ein aussichtsloser Kampf, der nicht zu gewinnen ist. Denn was sollte es denn sein, das nach all den Verletzungen beim anderen plötzlich den Wunsch auslöst, die Erwartungen des Partners/der Partnerin zu erfüllen?

Der andere ist Auslöser, aber NIE Ursache des Konflikts

Auch wenn man es noch so gerne wollte – kein Mensch ist in der Lage einen anderen zu ändern. Und wer bleibt übrig, wenn man den anderen nicht ändern kann? Klar: man selbst. Wiederannäherung beginnt, wenn beide erkennen, dass die gegenseitigen Vorwürfe und Schuldzuweisungen eine Sackgasse sind, aus der kein Weg hinaus führt. Diese Erkenntnis ist das Ziel des ersten Termins wie auch die Erkenntnis, dass, wenn keine Schuld mehr zugewiesen werden kann, man selbst fünfzig Prozent der Verantwortung für das Geschehene trägt – egal was passiert ist. Schon beim Verhältnis 51:49 könnte sich einer wieder auf den Opferstandpunkt zurückziehen und sagen: Ich würde ja gern, aber ich kann ja nichts ändern, weil der andere dies und jenes gemacht hat. Der/die andere ist selbstverständlich Auslöser, aber NIE Ursache des Konflikts. So haben Konflikte in meiner Erfahrung kausal NIE etwas mit dem jeweils anderen zu tun. Der Konflikt liegt IMMER in einem selbst.

Der Therapie-Fahrplan

Vom Ablauf her führe ich das Erstgespräch zu dritt, danach ca. drei Einzelgespräche mit den beiden Beteiligten. Wenn beide den eigenen Anteil am Konflikt erkannt und gelöst haben, finden nochmal ein bis zwei Gespräche zu dritt statt. Darin werden die neue Form der Kommunikation mit den Erkenntnissen der vorangegangenen Einzelgespräche trainiert. Denn um den Verstand neu zu „programmieren“ ist viel Übung und Wachheit vonnöten – das geht nicht von jetzt auf nachher sondern ist ein längerer Prozess. Was meine Erfahrung noch zeigt, ist, dass wer die Schuldzuweisung nicht aufgibt und ewig beim anderen verharrt will den eigenen Konflikt nicht sehen – das wiederum ist weder richtig noch falsch, NUR: in nächsten Beziehungen werden dieselben Probleme so oder so ähnlich immer wieder auftreten.

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