Eheberatung Therapie Hamburg

Umso je mehr wundere ich mich über Menschen, die wie in einem aufgescheuchten Hühnerstall durcheinanderrennen und Glück in möglichst vielen Likes auf die Zurschaustellung ihres Wohlstands, ihres schönen Körpers, ihrer gesunden Ernährung, ihrer Fähigkeit zur Askese oder ihr Befolgen irgendwelcher Lehren von irgendwelchen Gurus suchen. Das Streben nach Glück, Gerechtigkeit oder einer besseren Gesellschaft ist ein Streben von einer niederen auf eine höhere Ebene. In diesem Streben liegt die Auflehnung gegen einen Zustand, mit dem wir nicht einverstanden sind, hin zu etwas Besserem, das wir noch nicht haben. Die Falle, in die wir alle tappen, besteht darin, dass, solange wir das Bessere noch nicht haben, wir uns als unvollkommen wahrnehmen und denjenigen, die verhindern, dass wir bereits das Bessere haben, Schuld zuweisen. Diejenigen wollen nicht schuld sein und weisen die Schuld wieder an uns zurück. Wir wollen aber auch nicht schuld sein und weisen sie schon etwas vehementer von uns weg. Entsprechend vehement reagiert die andere Seite – und das Schuldkarussell dreht sich immer schneller. Wir nehmen uns als unvollkommen wahr und meinen, uns und die Welt ständig optimieren zu müssen. Und realisieren nicht, dass wir in diesem Optimierungswahn uns selbst, wie auch die Welt, langsam zu Grunde richten. Im Streben nach Glück behandeln wir die Erde wie einen großen Freizeitpark, der allein nur noch als spektakulärer Hintergrund für unsere lächelnden Selfies dient. Und meldet sich ein Spielverderber, wird er sofort mit Schuld für Hinderung am Recht auf Selbstentfaltung belegt. Auch im Freizeitpark trampeln Besucher auf ihrem Weg von Attraktion zu Attraktion alles nieder und hinterlassen allabendlich gewaltige Berge an achtlos weggeworfem Müll. Der Unterschied ist nur, dass die Welt keinen Eintritt kostet, von dem Personal bezahlt wird, das den ganzen Müll wieder wegräumt.

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