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Ein Blog Artikel

Spiegelungen II

Es wäre der Schritt, uns darüber bewusst zu werden, dass wir alle und alles zusammen Gott sind – also eben nicht die „sündigen“ Menschen, die vom „lieben“ Gott getrennt sind, wie es die Kirchen seit Jahrtausenden lehren. Niemand anderes als wir ALLE wären Gott, wären Schöpfer, wären Erschaffer unserer Realität. Huch, dann wären es ja nicht mehr „die anderen“, die die Welt in diesen katastrophalen Zustand versetzt haben, sondern jeder von uns gehörte ja plötzlich selbst dazu? Es wäre Ende der Schuldzuweisungen. Was müsste aber jeder von uns übernehmen, wenn keiner mehr Schuld auf andere abwälzen könnte?  Gezwungenermaßen: Verantwortung! Was, wenn jeder 100 % Verantwortung für sich, für seine Kinder und Kindeskinder übernehmen würde – würde irgend jemand noch etwas tun, was der Umwelt schadet? Würde irgend jemand noch das Risiko eingehen etwas zu tun, was einem anderem schadet? WENN jemand etwas täte, dass einem anderen schadet, müsste er befürchten, dass eine Revanche folgt. Schon aus reinem Überlebenstrieb würde niemand jemals mehr etwas tun, was der Welt oder anderen schadet.

Lange überlegt sich der Spiegel, wie er seine Fähigkeit zur Entfaltung – wie er sich selbst zum Leben erwecken könnte. Schließlich kommt ihm eine Idee. Er versetzt sich in Schwingung, erst langsam, dann immer heftiger bis die Spannungen so stark werden, dass er in einer gewaltigen Explosion in Aberbilliarden von Scherben zerspringt. Jetzt endlich können sich Scherben in vorbeifliegenden anderen Scherben spiegeln und wahrnehmen, dass die andere Scherbe unterschiedlich beschaffen ist als die, die sie im Spiegelbild sieht. Scherben rotieren um sich selbst, ziehen ihre Bahn im Raum, werfen Schatten, modulieren das Licht, treffen aufeinander und zerbersten wieder in neue, kleinere Scherben usw.. Der Spiegel ist die Idee zu allem, ist Gott – ist die Einheit, die alles in sich vereinigt, was sich hinterher in den zerborstenen Scherben zeigt. Die Schwingung, die schließlich in der Explosion gipfelt, ist der Urknall.

Alles-was-ist IST Gott

Alles-was-ist ist hervorgegangen aus dem einen, ist in Scherben zerbrochener „Urspiegel“. Jede einzelne Scherbe war einmal der ganze Urspiegel und ist nun immer noch ein Teil davon. Alles-was-ist IST Gott. Es gibt nichts, was nicht Gott ist. Wir alle sind Bestandteile ein und desselben Gottes und unsere einzige Aufgabe ist es, uns – in unseren Spiegelungen in den anderen Bestandteilen – unserer eigenen Göttlichkeit und der unserer Mitlebewesen bewusst zu werden. Indem wir uns dessen bewusstwerden, würden wir erkennen, dass mit dem Akt, der einem anderen schadet, wir uns selbst schaden – weil wir in Wahrheit ALLE vom Selben sind. Wir würden aufhören, Natur zu zerstören, wir würden aufhören, Tiere zu essen und wir würden aufhören, Kriege zu führen.

WIR sind Schöpfer

Im Partner „spiegeln“ sich die eigenen Themen

Analog im Kleinen erlebe ich tagtäglich heillos zerstrittene Paare, die in meiner Praxis vor mir sitzen und sich gegenseitig mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen überhäufen. Frage ich dann, warum sie sich nicht einfach trennen, sagen beide: Weil ich ihn/sie immer noch liebe. Wenn es aber so ist, dass er sie liebt und sie ihn liebt, heißt das, die ganzen Streitigkeiten, die ganzen Schmerzen und die ganze Quälerei finden statt im Kontext von Liebe. Kurioserweise beteuert er dann noch, dass er ihr überhaupt nichts Böses will und sie versichert ihrerseits, sie wolle auch nur sein Bestes. Ein absurder Widerspruch, der absolut keinen Sinn macht?! Zwei lieben sich, machen sich aber tagtäglich gegenseitig fertig – dafür gibt es objektiv doch gar keinen Grund. Objektiv nicht – also muss der Grund auf einer anderen Ebene liegen. Des Rätsels Lösung liegt auch hier darin, dass beide verstehen, dass der jeweils andere gar kein anderer, sondern der/dieselbe ist wie man selbst – dass beide nur „Scherben“ sind, die sich gegenseitig ineinander spiegeln. Das, was sich im anderen spiegelt, sind immer die eigenen Themen. Ist erst einmal begriffen, dass das, was mich am anderen stört, meine eigenen Themen sind, hören Vorwürfe und Schuldzuweisungen in der Sekunde auf. Die Eigenschaft der Schuld ist, dass sich spaltet: in Täter und Opfer, in oben und unten, in Sieger und Verlierer und so weiter.

Frieden ist das Gegenkonzept zur Schuld

Wenn Vorwürfe und Schuldzuweisungen aufhören, gibt es auch keinen Täter und kein Opfer, kein oben und kein unten mehr. Beide können sich auf gleicher Ebene, auf Augenhöhe, im Vertrauen, in Frieden und Harmonie begegnen. Was natürlich nicht heißt, dass es fortan keine Konflikte mehr gibt. Konflikt kommt von lateinisch „confligere = zusammentreffen“. Was zusammentrifft, sind unterschiedliche Meinungen, Sichtweisen oder Vorlieben – das kann bei zwei Menschen in einer Partnerschaft auch gar nicht anders sein. Total normal. Aber was in Partnerschaft aus einem Konflikt entsteht, ist immer der Streit ums Recht. Aber wer das Recht reklamiert, setzt den anderen ins Unrecht und schon geht es wieder um die Schuld. Denn selbstverständlich projiziert derjenige, der sich ins Unrecht gesetzt fühlt, seine eigenen negativen Gefühle auf den andern – und der andere projiziert seine negativen Gefühle auch auf sein Gegenüber. Beide projizieren ihre eigenen Verletzungen auf den jeweils anderen.

Man kann sich selbst nur zu etwa 40 % erkennen. Was man nicht sieht, ist der komplette eigene Kopf, der Rücken, die Rückseiten der Beine und ausgerechnet die Werkzeuge, mit denen man sieht – die Augen. Um sich ganz, in all seinen Facetten zu erkennen, ist ein Spiegel unerlässlich. Wenn der Spiegel dem Betrachter aber einen dicken Hintern spiegelt, macht es keinen Sinn, den Spiegel deswegen anzuschreien. Der Spiegel hat mit dem dicken Hintern rein gar nichts zu tun, er ist das Problem des Betrachters. In der Partnerschaft dient als Spiegel immer der Partner.