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Macht – Ohnmacht

Ein Neugeborenes kann nicht reden, rational agieren, reflektieren oder bewerten – in seiner absoluten Hilflosigkeit kann es nur schreien, um sich bemerkbar zu machen. Es schreit, jedes mal wenn es Hunger hat, ihm irgendetwas nicht gefällt oder es den Wunsch nach Zuwendung hat. Je nachdem, ob es seine Bedürfnisse erfüllt bekommt, lernt das Kind Selbstwirksamkeit ­– die Macht, seine Bedürfnisse und Ziele durchzusetzen. Oder es lernt ohne Macht – ohnmächtig – zu sein, wenn es immer wieder die Erfahrung macht: Ich kann mir die Lunge aus dem Hals schreien, aber ich bekomme keine Reaktion. Schreien ist für das Baby sein einziges zur Verfügung stehendes Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Da ein Baby aber noch in einem Zustand kompletter Unbewusstheit ist, gerade hier auf der Welt angekommen ist, mangels Erfahrungen noch nicht vergleichen und aus dem Vergleich Rückschlüsse ziehen kann, muss es zwangsläufig davon ausgehen: Das, was ich erlebe, IST so  – ist DIE Wahrheit.

Wenn sich das Erlebte als DIE Wahrheit unbewusst bei ihm einprägt, muss es sich diese unbewusste Prägung später immer wieder bestätigen, um sich selbst nicht ins Unrecht zu setzen. Das ist es, was für viele so schwer zu verstehen ist: `wieso, ich wollte doch ganz sicher nie ohnmächtig sein!´ Ja, bestimmt nicht auf bewusster Ebene, aber auf der unbewussten, „geprägten“ Ebene. Und die nimmt laut Neurowissenschaft zwischen 95 bis 99 Prozent ein. Auf den verbleibenden 1 – 5 Prozent Bewusstheit versuchen wir also das zu bekämpfen, was tief in uns gespeichert ist. Und es ist dieser Kampf, der uns krank, depressiv oder süchtig macht. Denn man stelle sich vor, ein Mann von 99 Kilo kämpft gegen einen Mann von einem Kilo, steht letzterer immer auf verlorenem Posten.    


Die Abhängigkeit von Mutter und Vater

Unbewusste Prägungen

Versetzt man sich für einen Moment lang in die Lage eines Neugeborenen, dann hat es neun Monate in absoluter Finsternis, in gleichbleibender Wärme und in Einheit mit der Mutter verbracht. Von einer Sekunde auf die andere ändert sich alles: Plötzlich ist es 15° kälter, plötzlich ist es nicht mehr dunkel, sondern gleißend hell, plötzlich herrscht nicht mehr absolute Stille sondern es prasseln ungewohnte Töne und Geräusche auf es ein – es ist zu vergleichen mit einem Alien, der auf einem fremden Planeten landet – und das einzig Vertrauenserweckende und Beruhigende auf diesem fremden Planeten ist das, was ihn mit Nahrung und Wärme versorgt. Seine Mutter. Das Neugeborene befindet sich in 100-prozentiger Abhängigkeit zu seiner Mutter. Alles was es fortan lernt, lernt es von ihr und nachgelagert von seinem Vater. Von allem, was Mutter und Vater ihm vorleben, muss das Kind davon ausgehen, dass das so IST – dass das die Wahrheit ist. 

Lernen durch imitieren

Vergleichbar ist das mit der Sprache, die ein Kind lernt. Ein Kind in Deutschland lernt Deutsch, ein Kind in Frankreich lernt Französisch und ein Kind in Polen lernt Polnisch. Aber kein Kind ist sich darüber bewusst, welche Sprache es lernt – ob Deutsch, Französisch oder Polnisch. Es weiß auch noch nichts von Grammatik, von Zeichensetzung, etc.. Das Kind plappert einfach nach, was die Eltern im vorplappern – so lange bis es die Sprache soweit beherrscht, dass es mit sechs Jahren reif für die Schule ist. Erst dort lernt es dann Rechtschreibung, Grammatik und nach welchen Regeln die Sprache genau funktioniert. Außerdem werden ihm dort später Fremdsprachen angeboten, die es erlernen kann. Im Zuge dessen erfährt es, dass es, neben der Sprache, die es selber spricht, noch viele andere Sprachen gibt, in denen man sich ausdrücken kann. Bis zu diesem Zeitpunkt ist aber z. B. Beispiel Deutsch die einzige Sprache, in der es kommunizieren kann. Und genau, wie das Kind seinen Eltern die Sprache nach plappert, guckt es sich auch alles andere von Ihnen ab.

Lernt das Kind von seine Eltern, dass es in der Beziehung der Eltern ein Gefälle zwischen oder und unten gibt, kein Vertrauen herrscht, Frauen sich vor Männern schützen müssen oder Männer in der Beziehung nicht bekommen, was sie wollen oder ihnen vorgelebt wird, dass es Schuld tatsächlich gibt, dann muss das Kind, mangels eigener Erfahrung und der Möglichkeit zu vergleichen, davon ausgehen: das IST so, das IST die Wahrheit. Nicht von ungefähr spricht man von den ersten drei als den prägenden Jahren im Leben eines Kindes. Ab dem Alter von drei entwickelt das Kind allmählich ein eigenes Bewusstsein und ist in der Lage, sich zu erinnern. Wenn sich in den UNBEWUSSTEN, prägenden Jahren bestimmte Wahrheiten im Kopf des Kindes eingeprägt haben – welche Wahrheiten muss es sich im späteren Leben immer wieder und wieder bestätigen? Eben die, die es mal gelernt hat!

Schuld ist nicht nichtübernommene Selbstverantwortung

Seit tausenden von Jahren lernen Kinder von ihren Eltern „Schuld“ – dass es immer ein Opfer und immer einen Täter gibt. Natürlich ist man selbst immer das Opfer und Schuld sind immer die anderen. Überträgt man dieses Prinzip auf unsere heutige Zeit, sind Menschen global nur noch damit beschäftigt, die Schuld bei anderen zu suchen. Schuld ist nichts anderes als

nichtübernommene Selbstverantwortung. Im gegenseitigen Zuschieben von Schuld übernimmt keiner mehr Verantwortung für gar nichts – siehe Klimawandel. Dem Klima, der Erde oder dem lieben Gott ist das herzlich egal – was der Mensch nicht begreift, ist, dass es den Klimawandel nur als Folge seiner absoluten Verantwortungslosigkeit gibt. So ist auch Corona letztlich nur Ausdruck einer immer weiterwachsenden Verantwortungslosigkeit von uns allen. Denn umgekehrt: Wozu hat uns Corona von heute auf morgen gezwungen? Zu absoluter Vorsicht, zum Maskentragen, zur Verantwortung für das eigene Leben und das unserer Nächsten.

Corona ist keine Strafe von höherer Stelle, nein! Corona ist hausgemacht – ist keine Bedrohung durch ein unsichtbares Virus, sondern die Chance umzudenken und in eine neue Richtung zu marschieren. Aber die Angst vor dem Neuen ist gewaltig. Ob Trump in Amerika Bolsonaro in Brasilien oder Boris Johnson in Großbritannien – sie alle stehen nur als Symbolfiguren für große Teile unserer Gesellschaften, die sich der Veränderung verzweifelt entgegenstemmen. Manche mehr, manche weniger – aber was wir gerade ALLE erleben, ist Ohnmacht – die Ohnmacht des Opfers, das keine Verantwortung übernimmt sondern die Schuld immer bei anderen sucht. So haben wir es kollektiv von unseren Eltern gelernt und die haben es von ihren Eltern gelernt und immer so fort. Das, was nie funktioniert hat, nicht funktioniert und nie funktionieren wird, ist das Konzept der Schuld – das Konzept von ohnmächtigem Opfer und böswilligem Täter. Das alternative Konzept dazu heißt Vertrauen. Vertrauen ist die einzige Chance für unser Überleben und das unserer Kinder! Eine Riesenherausforderung – nehmen wir sie an?